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Nach einer Woche durchgehender Funkstille meinerseits vom weit entfernten Quinapondan aus, möchte ich mich nun endlich mal wieder zu Wort melden und ein Lebenszeichen abgeben.

Strecke nach Guiuan

Am letzten Sonntag wurde ich schon vor Beginn meiner „offiziellen“ Zeit in die 10 000 Menschen umfassende Gemeinde eingeladen, um am im Rahmen der örtlichen Fiesta stattfindenden Tennisturnier teilzunehmen. Es hat sich wohl sehr schnell herumgesprochen, dass ich sehr gerne in meiner Freizeit Tennis spiele, denn kurz nach meiner Ankunft mit meinem Mentor, kamen schon gleich die Ersten auf mich zu und forderten mich heraus. Ich musste jedoch im vorhinein schon meine Teilnahme absagen, da ich alleine Schweißausbrüche beim bloßen Stehen bekam und mein Tennisschläger noch gar nicht auf den Philippinen angekommen ist. Die Hitze ist für mich immer noch gewöhnungsbedürftig und mein Körper braucht wohl noch einige Zeit, bis er sich an die hiesigen Umstände gewöhnt hat. Der Bürgermeister begrüßte mich herzlich und lud mich unter ein aufgebautes Zelt zum Zuschauen ein. Neben spannenden Tennismatches gab es zudem auch Basketballspiele zu bestaunen, die sogar noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen und von einem Kommentator begleitet wurden. Euphorisch feierte man hier wirklich jeden geworfenen Korb. Interessant finde ich vor allem den Aufbau des Stadtzentrums, in dem ich mich gerade befand. Der Tennis- und Basketballplatz wird sowohl von einer größeren Tribüne als auch dem Rathaus, dessen Eingang direkt an die Plätze angeschlossen ist, flankiert. An einer der anderen Seiten mit Ausblick auf die schöne blaue Kirche saß ich nun mit kühlen Getränken ausgestattet und konnte erste nette Gespräche mit den Einwohnern führen, die zum Teil auch extra von weiter her angereist sind, um die Fiesta mitzuerleben. Pünktlich um 12.00 Uhr lud der Bürgermeister mich und die anderen Tennisspieler zum Mittagsessen auf sein Grundstück ein. Hier erwartete mich ein großes Angebot an Speisen, deren Namen ich leider zum größten Teil schon wieder vergessen habe. Einzig in Erinnerung blieb mir „Asawa“, ein Gemüse, das mich ein klein bisschen im Geschmack an Kartoffeln erinnert hat, obwohl es im Aussehen eher einer Steckrübe gleicht. Trotzdem blieb natürlich als Hauptbestandteil Reis, der praktischerweise um das Grundstück herum angebaut wird. Nach dem Essen ging es wieder zurück zu den Tennisplätzen.

Blick auf ein Tennismatch. im Hintergrund kann man die blaue Kirche sehen.

Ich unterhielt mich mit einem Mädchen, dem ich erzählte, wie neu es für mich sei, ständig unter Beobachtung zu stehen bzw. angestarrt zu werden. Das ist natürlich auch nicht verwunderlich, wenn man der einzige Ausländer in der Gemeinde ist. Sie antwortete mir darauf, dass sie alle neugierig seien, ja sogar ein bisschen Angst hätten, weil ich so groß sei. Tatsächlich stimmt es, dass wirklich viele Menschen kleiner sind als ich, aber es gibt natürlich auch Leute, die mich überragen oder gleich groß sind. Sie lud mich schließlich ein, doch mal ihre Gemeinde Tacloban zu besuchen, die von hier mit dem Bus wohl ca. zwei Stunden entfernt ist. Am Abend, bevor es schließlich schon um sechs Uhr dunkel wird, trat ich die Rückreise nach Guiuan an, wo ich mit dem Rest meiner Gruppe noch eine Nacht verbringen sollte. Mich begleitete ein netter Filipino zu einer Bushaltestelle und wartete mit mir auf den nächsten Bus, der stündlich die Strecke Tacloban – Guiuan bedient. Im Gegensatz zu einem Jeepney passen hier noch erheblich mehr Menschen hinein. Der Bus war so überfüllt, dass einige Menschen teilweise sogar auf das Dach ausgewichen waren. Ich musste direkt an der offenen Tür stehen. Das eigentliche Problem war aber, dass der Motor immer mal wieder ausfiel und man darauf hin den Bus ein bisschen anschieben musste. Nach anderthalb Stunden und einer weiteren Tricylcefahrt später kam ich schließlich in der Lodge an, wo ich mit den anderen Volunteers den Abend gemütlich ausklingen ließ.

Am Montag ging schließlich die endgültige Fahrt in Richtung Quinapondan los. Mit zwei weiteren Volunteers brachte mich mein Mentor zunächst nach Hernani, wo die beiden anderen Volunteers ihre zukünftige Stelle haben werden. Neben dem sehr freundlichen Bürgermeister lernte ich auch ein erfolgreiches Projekt der Vorgänger des letzten Jahres zur Aufforstung kennen. Man zog verschiedene Setzlinge groß und pflanzte sie schließlich in zugewiesene Areale. Danach ging die Fahrt weiter nach Quinapondan zu meinem Zukünftigen Haus, wo mich sehr nette Nachbarn und mein Counterpart erwarteten. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass das Haus eigentlich phantastisch ist. Es bietet viel Platz, hat Küche, Bad, Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer. Besonders gefreut hat mich, dass mein Vorgänger einige deutsche Bücher hier ließ, da ich wegen des für das Flugzeug erlaubten Gepäckgewichtes auf eigene Bücher verzichten musste.

Wie ihr sehen könnt, hat besonders der erste Volunteer hier in Quinapondan ganze Arbeit geleistet und das Haus schön gestaltet. Zwei Nachbarn blieben, nachdem mein Counterpart und mein Mentor das Haus verließen, führten mich im Haus herum und bauten zusammen die Sachen wieder auf, die herum lagen. Wir redeten viel und ich kam in den Genuss, zum ersten Mal Reis in einem Reiskocher zu kochen. Nachdem dann das Moskitonetz aufgebaut war, ging ich relativ zügig schlafen, da zudem am Dienstag mein erster Arbeitstag auf mich wartete.

Meine zukünftige Arbeitszeit ist von 8.00 bis 17.00 Uhr, wobei ich mittags eine Stunden Pause habe. So machte ich mich von San Vincente, ein kleines Barangay, das zu Quinapondan gehört und in dem mein Haus steht auf und ließ mich mit dem Tricycle zum Rathaus fahren. Mein Counterpart zeigte mir mein eigenes Büro und erklärte mir kurz, was meine Aufgabe das nächste Jahr sein wird. Ich bin für das Netzwerk zuständig, soll einen Server für verschiedene Aufgaben einrichten und die Website der Gemeinde gestalten. Ich bin gespannt, wie lange die Aufgabe mich beschäftigen wird. Danach kann ich mir weitere Betätigungen innerhalb des Projektes in Absprache mit dem Counterpart suchen. Diese selbstständige Arbeit gefällt mir bis jetzt. Bevor ich mich jedoch voller Tatendrang in die Arbeit stürzen kann, versuche ich die nächsten Tage zu verstehen, was meine Vorgänger gemacht und geschaffen haben. Es ist schon schwierig konzentriert zu arbeiten. Das liegt zum einem an der Hitze (deshalb ließ ich einen Ventilator auf voller Stärke laufen, was ich im Verlauf der Woche noch bereute) und zum anderen den Vorbereitungen und dem stattfindenden Programm der Fiesta. Auch kommen immer mal wieder Kinder ganz schüchtern zu mir ins Büro. Es macht mir dann sehr viel Spaß, ihnen etwas über Deutschland zu erzählen und ihnen im Gegenzug zu Wörtern auf Waray Wörter auf Deutsch beizubringen. Wir waren schließlich sogar schon so weit, gemeinsam begleitet durch ein Xylophon „Alle meine Entchen“ zu singen.

Am Mittwoch kündigte sich langsam eine Erkältung bei mir an. Viel Produktives konnte ich nicht mehr arbeiten. Stattdessen beobachtete ich wie die anderen Mitarbeiter des Rathauses die laufenden Basketballspiele in bester Position. Am Abend stand schließlich ein Tanzwettbewerb auf dem Programm. Mit zwei Mädchen aus der Gemeinde machte ich mich abends deshalb auf den Weg dorthin. Ich versuchte mich sogar mal selbst im Tricyclefahren, musste aber schnell feststellen, dass ich darin nicht sehr gut bin, da ich wegen eines Rechtsdralles des befestigten Fahrrades mehrmals beinahe in den Straßengraben gefahren wäre. Beim Tanzwettbewerb traten Gruppen aus verschiedenen Gemeinden aus dem Umkreis auf. Im Hiphopstil brachten sie teils sehr abenteuerliche Choreographien zum Besten, während gefühlt ganz Quinapondan zuschaute und applaudierte. Straßenverkäufer boten Popcorn und Bukojuice, den Saft der Kokosnuss, an. Was mich erschrak, war die Polizei, die die Aufgabe von Ordnern übernahmen und so offen mit schweren Waffen patrouillierten. Trotzdem ist hier die Präsenz erheblich geringer als in Manila, was aber nicht für mein Gefühl bedeutet, dass man sich weniger sicher fühlen muss. Da wir drei doch sehr müde waren, machten wir uns irgendwann nach Mitternacht auf nach Hause, ohne den Sieger zu wissen, da durch das Turniersystem mit Vorrunde der Wettbewerb lange dauerte.

Am nächsten Morgen wachte ich krank auf. Ich hatte mir eine Erkältung eingefangen und machte mir schon Sorgen, dass ich während meiner ersten Arbeitswoche gleich einen Krankheitstag habe. Glücklichweise stellte sich im späteren Verlauf der Woche noch heraus, dass sowohl Donnerstag als auch Freitag wegen der stattfindenden Fiesta Feiertage sind und die Arbeit deswegen in ganz Quinapondan ruhte. Ich ruhte mich also aus, räumte auf, machte ein bisschen das Haus sauber und las Bücher. Total nett fand ich es, dass im Laufe des Vormittags noch Freunde zu mir kamen und nach meiner Gesundheit fragten und mich ein bisschen aufmunterten.

Der Freitag sollte einer der Höhepunkt der Fiesta sein, da am Abend auf dem Plaza vor dem Rathaus ein großes Tanzfest stattfinden sollte. Auch der Mittag war fest verplant. Ich traf mich mit einer Nachbarin bei ihrer Freundin, wo wir gemeinsam leckere philippinische Gerichte aßen, uns über verschiedene Themen unterhielten und ich natürlich neue Freunde kennen lernte. War man fertig, ging man zum nächsten Haus und begann von vorne. Das machten wir dann insgesamt fünf Mal. Danach konnten wir nichts mehr essen. Die Familien standen für diesen Tag extra die ganze letzte Nacht in der Küche, um allen vorbeikommenden Gästen etwas bieten zu können. Ich war sehr überrascht, über diese überaus großartige Gastfreundschaft und konnte mich gar nicht genug bedanken. Um 17.00 Uhr war dann plötzlich der Strom weg. Routiniert griff die Gastgeberin zur Taschenlampe und erklärte mir, so wie ich es verstanden habe, dass dies wohl häufiger am Wochenende passieren kann. Der Strom war dann schließlich bis Samstagnachmittag weg. Damit fiel auch das Tanzen am Abend aus, welches durch den immer wieder aufkommenden Regen wahrscheinlich zusätzlich behindert worden wäre. Im Kerzenlicht verbrachten ich und ein sehr hilfsbereiter Nachbar, der mir nicht nur mit den Kerzen ausgeholfen hat, den restlichen Abend bei mir zu Hause mit einem Film.

Den Samstag verbrachte ich mit Einkäufen auf dem örtlichen kleinen Markt und dem Durchgehen durch die anderen kleinen Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken. Die Kommunikation läuft sehr unterschiedlich ab. Mir ist aufgefallen, dass vor allem mit den jüngeren Menschen man sich einigermaßen gut auf Englisch unterhalten bzw. sich verständlich machen kann. Mit älteren Menschen wird es für mich schon schwieriger, aber hier hilft auch schon oft, sich Zeichen zu geben. Trotzdem wird es ab jetzt oberste Priorität haben, Waray zügig zu lernen. Gerade während wir bei der Fiesta zusammensaßen, wurde oft verständlicherweise ins Waray gewechselt, da es für sie es ja auch Anstrengung braucht, ständig auf Englisch zu denken. In San Vincente zum Beispiel spricht zudem, wie ich es bis jetzt erlebt habe, der Großteil nur Waray, so dass mir ihre Gedanken und Ideen ohne ihre Sprache komplett verschlossen bleiben würden, wenn ich nicht die Sprache kann. Ich möchte mitreden können!

Heute bin ich nun mit meinem so hilfsbereiten Nachbarn und Freund nach Guiuan gefahren, um diesen Post endlich zu veröffentlichen und weitere wichtige Dinge im Internet zu erledigen. Leider bekomme ich das wohl nur sehr langsame Internet über ein USB-Modem in Quinapondan auf meinem Laptop bisher nicht zum Laufen, so dass ich bis jetzt komplett vom Internet abgeschnitten war und wohl noch eine Weile bin. Seid mir also nicht böse, wenn ich E-Mails nicht gleich beantworten kann.

Ich bin gespannt, was die weiteren Tage so bringen werden.

Herzliche Grüße von den Philippinen
Pascal

So kann ich jeden Tag gemütlich ausklingen lassen

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