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Beinahe wäre ich heute nicht dazugekommen, einen neuen Beitrag auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ich habe geschlagene zwei Stunden auf einen Van nach Guiuan gewartet. Lange Zeit kam überhaupt keiner, sie waren schon zum Bersten überfüllt oder sie hatten aus einem mir unersichtlichen Grund, keine Lust anzuhalten. Ich war zum ersten Mal schon beinahe richtig wütend, was ich natürlich nicht gezeigt habe, um nicht „mein Gesicht zu verlieren und entschied mich deshalb, mich erst einmal eine halbe Stunde in meinem Haus zu beruhigen. Danach hatte ich mehr Glück. Mit einer Freundin bin ich dann endlich nach drei Stunden Wartezeit aus Quinapondan in Richtung Guiuan weggekommen. Das Problem ist wohl einfach, dass es keine allgemeinen Fahrpläne gibt, an dem man sich halten und orientieren kann. Außerdem reduziert natürlich jede Stunde Warten, meine Zeit im Internet zu surfen und den Kontakt nach Deutschland zu halten.

Das Wochenende, an dem ich den letzten Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht habe, bietet auch noch diese Woche für einen Beitrag genug Gesprächsstoff.

Am Sonntag kam wie immer spontan ein guter Freund bei mir zu Hause vorbei. Zusammen fuhren wir in der näheren Umgebung von Quinapondan umher und waren bis abends unterwegs. Als erstes ging es zum Strand in einem zu Quinapondan gehörenden Barangay. Leider war es kein Sandstrand, wie wir es von Spanien oder Frankereich kennen – diese gibt es nur selten in Eastern Samar -, aber das sich einstellende Gefühl war überwältigend. All das kann ich jeden Tag haben, direkt vor meiner Haustür: Palmen, gemütliche aus Palmen gefertigte Hütten und das unglaublich 28 Grad warme Meerwasser. Wir saßen hier also ein bisschen, genossen die sanfte Meeresbriese, die eine schöne Abkühlung von der Mittagshitze war, und blickten auf das ruhige Meer und von Palmen bewucherte Berge am Horizont.
Verfallene Hütte



Danach ging es weiter zu einer Freundin zum Mittagsessen. Wir wurden sowohl von der Familie als auch von zahlreichen freilaufenden Hühnern, die generell hier von den meisten Familien auf dem Grundstück gehalten werden, freundlich begrüßt. Leider lief die Konversation zum großen Teil auf Waray ab, wobei ich nun aber schon mit ein paar Brocken Waray kontern konnte. Das Essen war dann sehr lecker und wir wechselten wieder ins Englische. Es gab Reis, Fisch und in Kokosnusssaft eingelegte Kasawas – sie heißen tatsächlich Kasawas und nicht Asawas(!). Wir fuhren nach dem leckeren Mittagsessen weiter zu meinem Counterpart. Dieser besitzt eine richtige Fischfarm in der Nähe seines Hauses. In mehreren größeren und kleineren mit Wasser gefüllten Löchern schwimmen verschieden große Fische herum, die später auf den Märkten im Umland verkauft werden. Zusätzlich sind auch noch Hähne zwischen den Löchern festgebunden. Der Anblick war wirklich genial.
Fischfarm

Von da aus ging es weiter zu den Hahnenkämpfen, die Sonntags und Freitags stattfinden. Hahnenkämpfe in den Philippinen haben, so meine ich, den gleichen Stellenwert wie Stierkämpfe in Spanien. In einem extra für diesen Zweck gebauten „Stadion“ treten sie jeweils mit einer an den Fuß befestigten Klinge eins gegen eins gegeneinander an, bis einer der Hähne tot ist. Meistens ist der siegende Hahn aber genauso schwer verletzt, so dass auch dieser in der Suppe landet. Bevor es jedoch zum eigentlichen Kampf kommt, werden auf die einzelne Hähnen Wetten abgeschlossen. Trotz des unglaublich lauten Wettgeschreis behalten die Verantwortlichen den Überblick. Vor dieser Gedankenleistung habe ich schon ein wenig Respekt.
Hahnenkampf
Ich habe für mich im Nachhinein trotzdem entschieden, keinem weiteren Hahnenkampf mehr zu beizuwohnen. Für mich war es aber dennoch wichtig, auch diesen Teil der philippinischen Kultur kennenzulernen. Als es dann langsam dann Abend wurde, fuhren wir dann wieder nach Hause, wo ich mich dann mal wieder im Kochen versucht habe. Demnächst planen wir außerdem, richtige Wasserfälle in der Umgebung zu besuchen. Darauf freue ich mich schon riesig!

Mittwochs endet regelmäßig die Arbeit schon um 15.00 Uhr. Das bedeutet aber nicht, dass man einfach alleine nach Hause geht. Man macht stattdessen gemeinsam mit den Arbeitskollegen und anderen Interessierten wie dem Pastor, mit dem ich letzte Woche gespielt habe, vor dem Rathaus auf dem Tennis- und Basketballplatz Sport. Ich entschied mich schon zum zweiten Mal wieder für das Tennisspielen. Ich muss jedoch an dieser Stelle zugeben, dass es mir bis jetzt noch nicht sehr viel Spaß macht. Leider werden Betonflächen als Tennisplatz benutzt und sorgen damit für ein ganz anderes Ballgefühl. Deshalb wird es wohl noch einige Zeit brauchen, bis ich mich an diese Bedingungen gewöhnt habe. Was mir jedoch im Gegensatz zu Deutschland hier gefällt, ist das Bereitstellen von Balljungen und einem Schiedsrichter für jedes Spiel. Der Schiedsrichter zählt zwar komisch. Ein Satz endet so zum Beispiel nach acht Spielen und bei den Spielfeldlinien ist man sich auch nicht immer sicher, ob der Schiedsrichter ihn als Aus oder Punkt wertet, wenn der Ball unerreichbar für den Gegenspieler auf der Linie landet. Trotzdem will ich mich nicht darüber beklagen. Um meine Sicht der Dinge zu erklären, habe ich ja noch genug Zeit.

Nächste Woche, wie ich in einem Gespräch durch einen nebenbei erwähnten Halbsatz herausfand, wird wohl der Dienstag arbeitsfrei sein. Ich werde deshalb mit ein paar Freunden nach Balangiga, einem von Quinapondan ca. 30 Minuten benachbarten Ort fahren, um an den dortigen Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Philippinen feiern jedes Jahr an diesem Tag den Kampf gegen die damalige Kolonialmacht Amerika. Man konnte an diesem Tag im Jahre ??? die Besatzungsmacht besiegen. Nur ein Amerikaner überlebte damals. Die Amerikaner schlugen daraufhin mit ungeheuerer Kraft zurück. Auch wenn es mir widerstrebt, verweise ich für weitere Informationen auf Wikipedia.

Während der Woche und meines Arbeitsalltags fiel mir noch glatt etwas ein. Einen ganzen Monat lebe ich ab morgen nun tatsächlich schon auf den Philippinen, seitdem ich am 25. August vom Frankfurter Flughafen in Richtung Manila abgehoben bin. In dieser Zeit durfte ich schon so Einiges erleben und hoffe, dass sich dies auch weiter fortsetzt und ich auch noch in den verbleibenden elf Monaten tolle Erfahrungen machen darf. Wenn man jedoch seine vertraute Umgebung für solch ein kleines Abenteuer verlässt, bleibt zwangsweise ebenso auch einiges in Deutschland zurück. Was vermisse ich also hier in meiner auf ein Jahr terminierten Heimatgemeinde Quinapondan? Es folgt eine kleine Liste, die weder geordnet ist noch Anspruch auf Vollständigkeit erheben soll:

  • Familie
  • Freunde
  • Laugenbrötchen, Baguette und Vollkornbrot
    Natürlich gibt es in meiner derzeitigen Heimatgemeinde Bäckereien, auch wenn sie ein ungleich kleineres Sortiment bieten. Leider haben sie aber nur die gleichen Dinge im Angebot: Verschiedene aus Weißmehl hergestellte und mit Zucker gesüßte Brötchen oder hellen Toast.
  • Selbstgemachte Lasagne
    Mein Haus hat leider keinen Backofen, sondern ist („nur“) mit Toaster, Gasherd, Reiskocher und Waschbecken ausgestattet.
  • Schnellen Zugang zum Internet, ohne mindestens eine Stunde fahren zu müssen und eventuell Wartezeiten in Kauf zu nehmen.
  • Latein.
    Ja, mir hat der Lateinunterricht in der Schule wirklich Spaß gemacht!
  • Ausschlafen am Wochenende
  • Kälte
  • Tennisspielen auf einem Sandplatz
  • Unerkannt durch die Straßen gehen
    Es ist jedoch andersrum sehr witzig, wenn immer die gleichen kleinen Kinder nach der Schule an meinem Büro im dritten Stockwerk vorbei kommen. Schüchtern betrachten sie mich dann von der Treppe oder mit einem Auge von der Tür aus und beginnen zu kichern, wenn ich sie dann freundlich grüße, und rennen weg.

Die Woche endete auch sehr schön. Jeden letzten Freitag des Monats wird eine große gemeinsame Feier für alle Geburtskinder des Monats organisiert. Es werden einige Reden (natürlich auf Waray) gehalten, man singt zusammen und isst schließlich das von den Geburtskindern bereitgestellte Essen. Danach ist Tanzen angesagt. Das war auch der Grund, warum ich den Genuss kam, meine ersten Cha Cha und Aminodo Tanzschritte zu lernen. Meine Vorgänger sollen diese hervorragend beherrscht haben. Bilder werden dazu nächste Woche folgen.

Pascal an einer Palme

Lasst es euch im fernen Deutschland gut gehen

Pascal

1 Kommentar auf “Der erste Monat ist also rum”

  1. Christian sagt:

    Bei dem Wetter kann man dich bei deutschem Herbstbeginn (und nicht nur aus diesem Grund) beneiden …

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