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Die letzten Wochen

Die Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man die schon vergangene Zeit betrachtet. Fast drei Monate bin ich schon auf den Philippinen. Hier hat sich ein gewisser Alltagseintrot eingestellt. Immer wieder muss ich mir ins Gewissen rufen, dass hier alltägliches in Deutschland etwas interessantes ist und vielleicht erzählenswert ist. In den letzten Wochen ist so viel geschehen, dass ich es dieses Mal natürlich nicht schaffe, alles im einzelnen nachzuerzählen wie in meinen letzten Berichten. Auch habe ich noch nicht alle Bilder der letzten Tage zusammen, so dass ich die wohl noch nachreichen muss.

Die letzten Wochen beschäftigten mich zum Beispiel technische Probleme. Nicht die, die mit meiner Arbeit im Zusammenhang stehen, sondern viel mehr meine eigenen. Zum einen habe ich mein schönes Motorolla-Handy auf der Rückfahrt mit dem Jeepney von Guiuan verloren, zum anderen gab das Netzteil meines Notebooks den Geist auf. Damit war ich so gut wie von jeglicher Kommunikation abgeschnitten. Mehrmals bin ich deshalb nach Tacloban zu einem Handy-Shop gefahren, aber ich habe wohl keine Chance mehr, das Handy und besonders die Nummer zurückzubekommen. Für 16 Euro habe ich mir schließlich ein China-Handy gekauft, die wie auch DVDs mit aktuellen Kinofilmen in kleinen Geschäften verkauft werden. Für den Preis ist es vollkommen in Ordnung, dass die Batterie höchstens zwei bis drei Tage hält. Wichtig ist für mich nur, SMS schreiben zu können und zu telefonieren. Mein Netzteil hätte ein größeres Problem werden können, wenn mir nicht jemand aus meiner Organisation so super ausgeholfen hätte. Für meine Arbeit ist das Notebook natürlich wichtig, da hier zum Beispiel meine Arbeit wie die Homepage von Quinapondan gespeichert ist. Ein Apple-Store scheint nur in Manila und Cebu vorhanden zu sein und damit nicht eben schnell erreichbar. Nach Cebu werde ich erst im Dezember zum Zwischenseminar reisen und Manila würde ich bei anderer Gelegenheit lieber noch einmal besuchen. Ich habe es schließlich unkompliziert aus Manila zugeschickt bekommen, wofür unendlich dankbar bin. Trotzdem hatte ich drei Wochen nichts zu tun und verbrachte mein Arbeitsalltag mit Lesen, Filmen schauen oder Reparieren von defekten Computer.

Mein Arbeitsplatz

Die Local Government Unit (LGU) Quinapondan.

Zum Glück waren die Wochenenden ein guter „Ausgleich“. Es fanden zwei Geburtstagspartys von Volunteeren in Salcedo in einer Lodge und Maydolong statt und ich war außerdem zu einem 18. Geburtstag einer Philippinerin aus einem Nachbarbarangay eingeladen. Wie auch in Deutschland wird der 18. Geburtstag gerne größer gefeiert. Da die besagte Familie mehr Geld hat – sie studiert auch in Manila -, war die Feier sogar noch ein bisschen größer als gedacht. Das Geburtstagkind saß auf einem großen Thron auf einer Tribüne, während ein großes durchgeplantes Programm stattfand. Wir saßen an vielen kleinen nett verzierten Tischen, die auf einem normalerweise für Basketball genutzten Platz aufgestellt worden sind. Nach dem Programm gab es noch ein großes gemeinsames Essen. Das anschließende Tanzen ging noch bis vier Uhr morgens.

Von Maydolong fuhren wir an einem Wochenende auf eine Coconut Farm, die einer Familie einer befreundeten Philippinerin gehört. Das Wetter war klasse und die Kokosnüsse schmeckten hervorragend. Besonders der Saft (Buko juice) der Kokosnuss schmeckte herrlich.

Copra: Getrocknete Kokusnussschalen.

Ein Tag nach dem Geburtstag fand in Quinapondan der „64th Founding Celebration Day“ statt. Ein eigens für diesen Zweck gegründetes Komitee war schon Wochen mit der Planung beschäftigt: Spiele auswählen, Team T-Shirts kaufen, das vorgegebene Etat unter einen Hut bringen und Preisgelder bestimmen. Ich trat für die LGU gegen sechs andere Organisation und Vereine auch bei zwei Spielen an. Hitting the Pot und Baloon Relly. Leider gab es ein paar Verständigungsschwierigkeiten bei Hitting the Pot. Hitting meint nicht nur das Treffen der aufgehängten Vase, sondern das völlige Zerstören. Andernfalls hätte nämlich gewonnen. So gewann ich nur den dritten Platz. Bei Baloon Relly stellten wir uns als Mannschaft hintereinander, klemmten zwischen uns jeweils ein Ballon und mussten langsam laufend eine kleine Strecke zurücklegen. Letztendlich gewannen wir leider nur den 3. Platz. Dabei sein ist natürlich alles! :-)

Letztes Wochenende war ich außerdem mit den Volunteeren aus Borongan auf einen Friedhof eingeladen. Am All-Saints Day (1. November) feiert man auf den Philippinen mit den Verstorbenden. Die ganze Familie kommt am Grab toter Verwandter zusammen, trinkt, isst und lacht zusammen. Das war schon ein komisches Gefühl. Weil eine Volontärin plötzlich krank wurde, sind wir ein bisschen früher nach Hause gegangen.

Letztes Wochenende habe ich die Gelegenheit bekommen, mit Mitgliedern der LGU schnorcheln zu gehen, um Fisch- und Muschelbestände im Wasserschutzgebiet zu untersuchen. Jetzt will ich unbedingt hier noch einen Tauchkurs machen.

Ausgerechnet an diesem Tag war das Wetter nicht so schön.

Zwischen Mangroven haben wir in dieser Hütte Mittagspaue gemacht.


Viele Grüße von den immer noch warmen Philippinen. Auch der Regen zieht mal vorbei…

Pascal

1 Kommentar auf “Die letzten Wochen”

  1. Moritz sagt:

    Hey Pasi,

    klingt ja toll, was du schreibst… Klar ist es mal ein bisschen langweilig, das kenne ich nur zu gut. Aber du scheinst ja wirklich in einer idyllischen Gegend gelandet zu sein.

    Ich hatte letzte Woche Nachbereitungsseminar und werde jetzt umso mehr neidisch, wenn ich deine Fotos sehe… Ich war übrigens mit Alex und Johannes in einer Gruppe, ersterer hat dich auf den Phillipinen wohl noch kennengelernt.

    Dann machs mal gut und lass von dir hören,

    Gruß,
    Moritz

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