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Endlich mal eine Reise

Ich habe gerade das Gefühl, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Tolle und schöne Ereignisse fliegen an einem nur so vorbei und geraten schon bei mir in Vergessenheit bevor ich sie hier überhaupt erst niederschreiben kann. Schade ist es, dass jetzt schon über die Hälfte meines freiwilligen sozialen Jahres vorbei ist.

Wir hatten zum Beispiel wieder einmal eine schöne LGU-Party gehabt und an einem Tag hat der Großteil der LGU sogar einen gemeinsamen Ausflug zum Zwecke der Observation in das zu Quinapondan gehörenden Marine Protected Area gemacht.

Von was kann ich noch so berichten?
Ich bin in meinem Projekt ein kleines Stück vorangekommen. Die Website liegt endlich auf einen philippinischen Webserver. Gemeinsam mit meinem Counterpart bin ich zu diesem Zwecke nach Tacloban zu der vom Staat unterstützten Firma evis.net gefahren, die für gerade mal umgerechnet circa 1,50 Euro pro Monat die Seite hosten werden. Zugegebenermaßen ist bei diesem Preis die Anbindung nicht gerade die beste, aber man kann hier bar bezahlen und kleinere Hilfestellungen sind für die LGU auch nach meiner Abreise im August zu erwarten. Einziges Problem ist die schon vor meiner Ankunft existierende Domain. Hier sind leider die Besitzverhältnisse noch nicht geklärt, andernfalls hätte ich heute schon hier die Domain veröffentlichen können. (Deswegen bin ich übrigens auch heute in Tacloban. Im Auftrag der LGU soll ich eine neue Domain beantragen. Um die alte kann man sich später noch kümmern.)


In der Nähe war auch das „Leyte Landing Memorial“, das ich noch schnell mit meinem Counterpart besucht habe. Nachdem die ehemalige Kolonialmacht Amerika von den Japanern vertrieben wurde, kam allen voran MacArthur an dieser Stelle am 20. Oktober 1944 mit einer großen Streitmacht zurück und begann die Rückeroberung der Philippinen.

Interessant war vor allem das vorletzte Wochenende mit der Reise durch Nordsamar. Durch einen auf Freitag gefallenen Ferientag hatte ich praktischerweise ein verlängertes Wochenende. Zusammen mit den Volontären aus Borongan ging es auf eine fünf Tage andauernde Reise.

Alles begann doch sehr hektisch für mich, obwohl ich wirklich früh für meine Verhältnisse aufgestanden bin. Trotz dieser Tatsache musste ich in meiner Heimatgemeinde über drei Stunden auf einen Van mit freien Plätzen warten. Dementsprechend verschob sich auch alles mit der Abfahrt in Borongan. Als ich dann endlich einen Van bekommen hatte, saß ich für die zwei Stunden andauernde Fahrt eingequetscht mit einer Popacke auf Zeitungen mit der anderen in der Luft. Gerade die Strecke Guiuan – Borongan ist zudem nicht gerade bekannt für sehr gute Straßen. Oft fehlt der Straßenbelag und Schlaglöcher lassen einen im Van hin- und herhüpfen. Meine Tasche voll großer leerer Mehrwegflaschen für eine Mitvolontärin fällt mir immer wieder entgegen. Durch die Verspätungen hatten wir also schon vorletzten Bus verpasst und ich kam auch mit der Abfahrtzeit des letzten Vans erst in Borongan an. Ich schnappe mir schnurstracks in Motorcycle und lasse mich zum nahen Busterminal fahren immer mit mir schleppend mein großen Rucksack und die Flaschen. Leider war der Bus schon abgefahren. Durch ein kurzes Telefongespräch – der Akku von meinem Billighandy musste natürlich in dem Moment auch noch seinen Geist aufgeben – erfuhr ich dann, dass der Bus an der Mall von Borongan nur einen kurzen Augenblick auf mich warten kann. Schnell rannte ich mit meinem Gepäck zum nächsten Motorcycle, das mich in Windeseile gegen einen kleinen Extralohn zur Mall brachte. Den Bus habe ich dann gerade noch so erwischt. Den Haufen Flaschen aber habe ich umsonst hinter mich hergezogen, weil die Volontärin, die sie brauchte, gar nicht dabei war. Erschöpft aber glücklich konnte die Reise nun endlich losgehen.




Erste Zwischenstation war Catbalogan. Da wir zunächst ordentlich an Weg zurücklegen wollten, ging es aber sogleich auch mit dem nächsten Bus weiter nach Calbayog, die im Gegensatz zu Catbalogan meinem Empfinden nach größere Stadt war erheblich ansehnlicher. Eigentlich sind wir wegen einer im Reiseführer beschriebenen Bootsfahrt hergekommen. Leider war ein Boot nicht auffindbar und der ständige Regen vermieste den Tag noch mehr. Stattdessen hielten wir uns nach einer Nacht in einem super Hotel sogar mit warmer Dusche in einem schönen Cafe am nächsten Tag auf. Die Stadt selbst wollten wir genauer auf der Rückfahrt erkunden.


Mit einem Jeepney ging es dann am nächsten Tag nach Catamarn. Direkt warum, weiß ich gar nicht, aber die Stadt hat mir nicht gefallen. Es gab wenig zu sehen und der immer wieder aufkommende Regen vermieste mal wieder die Stimmung ein bisschen. Wegen dem Regen beschlossen wir ein Ausflugziel von unsere Insel zu streichen: Biri Island, die wegen der schönen Natur und Gesteinsformen im Reiseführer verzeichnet wurde. Einziges Highlight war der Markt. Ein großes Angebot hätte ich gerne in Quinapondan.


Nicht wirklich ausgeruht – Ratten tobten in unserem Zimmern -, ging es am nächsten Morgen in eine zweistündig entfernte kleine Hafenstadt, in der Boote nach Dalupiri Island ablegten. Angekommen versuchte man uns erst mal wieder mit überteuerten Specialtrips übers Ohr zu hauen. Einerseits verstehe ich es, die Bootsfahrer wollen auch etwas verdienen, aber auf Dauer nervt mich das anderseits schon. Die Insel war sehr schön, beinahe malerisch, und wir konnten uns zusammen für gerade mal 16 Euro pro Tag in einem super Beach Ressort einquartieren, das wir noch vom Boot aus gesehen haben.


Nach einer ruhigen Nacht, erkundeten wir mit Motorrollern die Insel. Es ging einmal um die ganze Insel mit Zwischenstopps bei einer kleinen Höhle, Fish Sanctuary und der High School, auf die man wohl besonders stolz war.




Der Regen machte leider das Schnorcheln im Fish Sanctuary zunichte. Am nächsten Tag ging es dann wieder an den Rückweg. Eine Nacht verbrachten wir noch in Calbayog. In einer kleinen Eatery tranken wir ein bisschen, lernten andere Leute kennen und sangen Karaoke.


Am Dienstag kam ich dann wieder über Catbalogan in Tacloban an.


Dort traf ich wie vereinbart meinen Vorgänger im Projekt. Tatsächlich hat es meinen Vorgänger nach nur einem halben Jahr wieder auf die Philippinen verschlagen. Eine Woche verbrachte er bei mir zu Hause in Quinapondan. Das hieß auch für mich viel Rumreisen, seine alten Freunde besuchen, viel Karaoke singen und seine Lieblingsinsel aufsuchen.

Letzte Woche wurden auch alle LGU Mitglieder zur Anwesendheit bei einer Totenmesse verpflichtet. Ein ehemalige Sangguniang Bayan Member war gestorben. Aus diesem Grund stiftete die LGU neben der privaten Messe eine zusätzlich zweite. Zunächst ging es in einer langen Prozession von Autos, Trucks, Jeeps und Motorcycles vom Haus des Verstorbenen in einem nahen Barangay nach Quinapondan direkt zum Rathaus. Hier bahrte man den Sarg in der vorbereiteten LGU Vorhalle auf. Anschließend hielt der örtlicher Priester, der übrigens schon ein guter Freund von mir geworden ist, weil wir unsere Bücher austauschen, die Messe in der lokalen Sprache Waray. Ich nahm daran natürlich teil, verstand jedoch leider nur so wenig und hielt mich deswegen an die Reaktionen der anderen Teilnehmer.

Wie schon in der Einleitung geschrieben, stand auch das Bergfest an. Die Hälfte des Jahres liegt nun hinter mir. Diese Gelegenheit verbanden wir mit dem Geburtstag eines Volontäres. Da das Geschehen doch hier dann den Rahmen sprengen würde, verweise ich auf seinen eigenen Blogbeitrag.

Spannende Erlebnisse werden auch in den nächsten Wochen für mich hoffentlich nicht abreissen. In zwei Wochen werde ich endlich meinen Tauchschein in Südleyte machen und in drei Wochen ist das Herumreisen in Gegend rund um Cebu geplant, nachdem ich dort meinen für die Uni notwendigen Englischtest endlich abgelegt habe.

Gerade der Englischtest wird mich sicherlich noch die verbleibende Zeit bis dahin schwer in Anspruch nehmen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es in der verbleibenden Zeit schaffen werde.

Viele Grüße und holt euch keinen Sonnenbrand in Deutschland ;-)

Pascal

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