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Im Osten nichts Neues

Endlich. Ich habe wieder Internet und kann euch etwas über meine letzte Woche erzählen. Leider hat sich bezüglich meiner Internetverbindung von Quinapondan nichts Neues ergeben, so dass immer noch gezwungen bin, eine kleine Reise anzutreten, um wenigstens meine E-Mails absenden zu können. Der Vorteil ist aber, dass ich dann diese direkt am Wasser und mit einer kühlen Cola lesen kann. ;-)

Schon wieder ist eine also Woche rum, wobei ich mir hier, wenn ich es mir ein bisschen genauer überlege, nicht so sicher bin, ob hier „schon“ der passende Ausdruck ist. Die Woche war sehr eintönig und verlief sehr langsam, wenn man von den für mich bisher ungewohnten Stromausfällen einmal absieht. Man kann meinen, dass sich sogar ein gewisser Alltag bei mir eingestellt hat.

Um 7:00 Uhr heißt es für mich Aufstehen, Frühstücken und für die Arbeit fertig machen. 7:55 Uhr geht es mit dem Tricycle von San Vincente nach Quinapondan. Die Fahrt kostet standardmäßig 5 Peso, was umgerechnet nur ungefähr 10 Cent entspricht. Nach knapp 10 Minuten vorbei an weiten Reisfeldern mit von Palmen bedeckten Bergen im Hintergrund, kleineren Häusern, Kirchen und mich anstarrende Menschen, die ich immer fröhlich grüße, ist die Fahrt auch schon wieder zu Ende.

Blick in das zu Quinapondan gehörende Barangay San Vincente. Meine Heimatgemeinde!

Das ist also mein täglicher Arbeitsweg. Der Blick ist auf San Vincente gerichtet.

Der Fahrer setzt mich direkt vor dem Rathaus ab. Ich betrete das Gebäude, wo ich immer nett von allen Seiten begrüßt werde. Meistens setze ich mich erst einmal zu den anderen Angestellten, die wohl genauso wie ich den Arbeitsalltag noch ein bisschen hinauszögern wollen, bevor es ans Arbeiten geht. Besonders beliebt ist es, mir hier die verrücktesten Waray-Wörter beizubringen oder mich nach meinem Haus und den ehemaligen Freiwilligen in Quinapondan auszufragen. Geht dann doch der Gesprächsstoff aus, mache ich mich schließlich in das dritte Stockwerk des Rathauses auf, in dem mein eigenes Office liegt. Mir stehen in diesem Raum die von meinen beiden Vorgängern eingerichtete Netzwerkverbindung zu den anderen Computern und zwei Schreibtische zur Verfügung. Auf dem einen Schreibtisch breite ich täglich mein Equipment wie Notebook, Handy und Notizzettel aus, auf dem anderen habe ich durch die große Ablagefläche die Möglichkeit eventuell beschädigte Computer zu reparieren oder auf Arbeit zu warten, was in den letzt beiden Wochen jedoch noch nicht der Fall war. Eigentlich würde ich hier insgesamt viel mehr bewegen wollen. Dazu brauche ich aber ab und zu eine Internetverbindung, die ich nicht habe. Jedes Mal für ein paar Stunden Internet anderthalb Stunden zu fahren, ist einfach anstrengend. Was mir also nur übrigbleibt, ist Probleme und benötigte Programme zu sammeln und dann nach Guiuan, dort bietet ein kleines Hotel zügiges Internet an, zu fahren. Umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn man etwas vergisst oder nicht schafft, weil es schon wieder dunkel wird. Meine Mittagspause beginnt dann um 12.00 Uhr und endet um 13.00 Uhr. Während meiner Pause gehe ich mit meinen Arbeitskollegen oder, falls ein Freund von mir im Büro vorbeischaut, mit diesem zum Essen. Bis jetzt habe ich zwei kleinere Restaurants in Quinapondan entdeckt. Man geht in diese hinein und setzt sich auf einen freien Plastikstuhl oder eine längere Bank. Nach kurzer Zeit wird dem Gast ein Teller Reis und Wasser hingestellt. Danach sucht man sich in einer kleinen Glasvitrine, die auch von außen einsehbar ist, seine Beilage aus. Dabei scheint es immer das Gleiche zu sein: Fisch, Huhn (Adobo – wenn ich es mir richtig gemerkt habe), Bohnen und anderes Fleisch mit einer großen Fettschicht. Der Preis für das Essen geht dabei absolut in Ordnung. Ich habe noch nie mehr als einen Euro bezahlt. Auch Fastfood hat hier schon Einzug gehalten. Neben den beiden Restaurants steht in der Nähe des Plazas ein kleiner Wagen, aus dem Burger und Hotdogs heraus verkauft werden. Sie schmecken eigentlich fast genauso wie bei McDonalds. Die restliche halbe Stunde nach dem Mittagsessen benutze ich meistens für Einkäufe auf dem kleinen Mark oder in den nahe gelegenen Geschäften. Es kann aber auch passieren, dass, wenn ich ein wenig früher zur Arbeit zurück gehe und ich im Rathaus mit Duba begrüßt werde. Duba ist, so erklärte man mir in einer spaßigen Runde, ein typisch philippinischer Rotwein, der mit Cola gesüßt werden kann. Von 13.00 bis 17.00 widme ich mich dann wieder meiner Arbeit, wenn sie denn vorhanden ist.

Am Freitag bin ich auch schon wieder aus diesem Alltag ausgebrochen und nach Tacloban gefahren. Die schnellste Möglichkeit ist dabei der Van. Die kleinen weiße Vans, die nach einem nicht durchschaubaren Zeitplan die Strecke Guiuan – Tacloban anbieten, sind erheblich schneller als die großen überfüllten Busse. Das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass diese selbst auch nicht überfüllt wären. Regulär sind wohl zehn Plätze vorgesehen. Ich saß jedoch schon einmal in einem Van, in dem schon fünfzehn Personen einen Sitzplatz gefunden haben. Nach gut zwei Stunden kam ich in Tacloban an. Sofort wurde ich wieder an Manila erinnert. Es war stickig, der Verkehr sah chaotisch aus, funktionierte aber, und es war laut. Hier sind einige Bilder, die aber gar nicht ausreichen, um die auf mich einfallenden Eindrücke zu beschreiben.

Rechts kann man teilweise Jollibee sehen. Die philippinische Variante von McDonalds

Hinter den Jeepneys beginnt der große Markt von Tacloban. Leider habe ich es diese Woche nicht geschafft, wenigstens mal durchzugehen

Ich lief erst einmal wahllos durch die Straßen, um mir einen Überblick über diesen Stadtteil zu verschaffen. Für einen Freund holte ich als erstes sein repariertes Handy ab. Ich wurde in drei verschiedene Shops, die aber wohl zusammenarbeiten oder gehören, geschickt, bis ich endlich im richtigen war und nach einer Wartezeit von einer halben Stunde dann dieses stolz überreicht bekam. Von dort aus ging ich Sachen einkaufen, die ich nicht in meiner Heimatgemeinde bekomme. Dazu gehören zum Beispiel viele Gewürze (ausgenommen natürlich Pfeffer und Salz) und Früchte. Neben Bananen konnte ich zu Hause noch nichts anderes entdecken. Hier fand ich dafür umso mehr Früchte mit exotischen Namen. Optimalerweise entdeckte ich dann passend zur Mittagszeit einen McDonalds. Ich weiß zwar nicht mehr, wie die Preise in Deutschland bei der Fastfoodkette sind, aber hier hat ein Cheeseburger, Cola und eine mittlere Portion Pommes nur ein bisschen mehr als einen Euro gekostet. Da musste ich natürlich “zuschlagen”!. Während ich also mein Essen genoss, konnte ich der dahindudelnden Weihnachtsmusik lauschen. Auf den Philippinen hat nämlich vor zwei Wochen schon die Weihnachtszeit begonnen. Mit einem Tricycle ging es danach zur BPI, bei der ich von meiner Organisation ein Bankkonto eingerichtet bekommen habe. Hier sollte ich außerdem noch einige andere Volontäre treffen, die im Gegensatz zu mir das ganze Wochenende in Tacloban blieben. Nach einem erneuten Abstecher zu McDonalds – ich habe nichts gegessen (!) – ging es in die Robinson Mall. Um diese Mall beneide ich schon ein wenig die Volontäre hier: Restaurants, Geschäfte und vor allem das Internet. Leider konnte ich davon nicht viel sehen und genießen, da ich um 16:00 Uhr schon wieder an meine Heimreise denken musste. Der letzte Van fuhr schließlich um 17.00 Uhr einschließlich mir vom VanVan-Terminal in Richtung Guiuan los. Auf der Fahrt saß ich neben einem sehr netten Mann, der außerordentlich gut Englisch sprechen konnte und mir einige Waray-Wörter beibrachte. Ihr seht also, ich versuche Waray zu lernen oder ich bemühe mich zu mindestens.

Das soll es also gewesen sein. Meine Cola ist leer.

Grüße von den Philippinen

Pascal

1 Kommentar auf “Im Osten nichts Neues”

  1. Alois Brand sagt:

    Hallo Pascal,
    mit großem Interesse lese und verfolge ich Deine Berichte aus Quinapondan. Was mir dabei besonders aufgefallen ist, sind die häufigen Ausfälle des örtlichen Stromnetzes und in deren Folge die lästigen Unterbrechungen der Datenkommunikation. Da es sich um ein lokal begrenztes Datennetz (Inhouse-Netz) handelt, das Du zu betreuen hast, bieten sich aus hiesiger Sicht relativ einfache technische Lösungen an. Du benötigst dazu für das Stromnetz (220V?) eine sogenannte “stand by – Schaltung”, bestehend aus einem in seiner Leistung an das Netzwerk angepassten Kleingenerator und zu dessen Stromverteilung ein eigenes Hausnetz (Leitungen), das die einzelnen PC-Standorte versorgt. Die An- und Abschaltungen vom “öffentlichen Netz” auf das Hausnetz erfolgt am einfachsten manuell durch jeweils eingeschleifte Wechselschalter. Denkbar und möglich sind aber auch Lösungen mit unterbrechungsfreier Umschaltautomatik anhand entsprechender Relais oder andere elektronische Schaltmittel. Suche doch in dieser Frage Kontakt zu den Leuten (Elektrikern Hardware-Worker), die das örtliche Stromnetz kennen, die werden Dir sicherlich gerne beratend zur Seite stehen und Dich bei Deiner Arbeit unterstützen. Arbeite niemals allein am Starkstromnetz ohne fachliche Begleitung! Bleibe heiter und gesund und merke: Arbeit ist der schönste Zeitvertreib. Es grüßen Dich aus weiter weiter Ferne Opa und Oma.

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