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Geduld lernen

Hier gibt es nicht viel Neues. Ich war mit anderen Freiwilligen das ganze Wochenende in Tacloban, hab dort eingekauft, war im Kino und habe den neuen Harry Potter Streifen gesehen und habe in einem richtigen italienischen Restaurant gegessen. Das hat mal richtig gut getan: Pizza, Lasagne und Tiramisu.

Eigentlich wollte ich aber heute nur von einer kleinen Geschichte berichten, die mir letzte Woche passiert ist. Ich war gerade auf der Rückfahrt von Tacloban. Mit Glück habe ich gerade noch den letzten Van erwischt. Vollbeladen mit Einkäufen für die nächsten Wochen steige ich verschwitzt ein. Der Van war sehr runtergekommen. Die Innenverkleidung war mit Klebeband getaped und alle Griffe haben im Auto gefehlt. Ich war aber glücklich und wollte nur noch nach Hause. Außerdem hatte ich einen guten Platz. Der Wagen fuhr los und ich begann schon ein bisschen zu dösen. Als wir aus tacloban draußen waren, wache ich plötzlich wieder auf und stellte fest, dass der Van immer langsamer wurde. Letztendlich blieb der Van stehen und auch mehrere Versuche von Seite des Fahrers, den Wagen wieder zum Laufen zu bekommen, schlugen fehl. Er murmelte etwas, stieg aus und nahm den Schlüssel mit. Nach zehn Minuten fragte ich mich dann schon, was denn nun los sei. Ich drehte mich zu meinen Mitfahrern um und fragte auf Englisch, ob sie wissen, was das Problem sei. Keiner konnte mir Antworten. Alle warteten ruhig oder schliefen. Nur mehrere kleine Kinder fingen immer heftiger an zu quengeln. Nun setzt der Titel meines Artikels ein. Geduld, Geduld und Geduld. Ich konnte nichts machen, es war schon beinahe dunkel und draußen regnete es aus vollen Rohren. Nach einer Stunde voller Unwissenheit verlor ich langsam die Geduld und überlegte auf irgendeine Weise in die Stand zurückzufahren. Die Leute hinter mir waren total gelassen und verzerrten ihren Proviant. Die Kinder waren kaum mehr aushaltbar. Auch die zweite Stunde verging ohne weitere Vorkommnisse und ich stand noch immer irgendwo auf dem Weg nach Quinapondan. Nach mehr als zwei Stunden kam dann endlich der Fahrer zurück. Er hatte ein “neues” Fahrzeug organisiert. Mit zwei Stunden Verspätung ging dann endlich die Fahrt weiter nach Hause. Und ich habe eine neue Lektion in Sachen Geduld gelernt!

Viele Grüße

Pascal

Die letzten Wochen

Die Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man die schon vergangene Zeit betrachtet. Fast drei Monate bin ich schon auf den Philippinen. Hier hat sich ein gewisser Alltagseintrot eingestellt. Immer wieder muss ich mir ins Gewissen rufen, dass hier alltägliches in Deutschland etwas interessantes ist und vielleicht erzählenswert ist. In den letzten Wochen ist so viel geschehen, dass ich es dieses Mal natürlich nicht schaffe, alles im einzelnen nachzuerzählen wie in meinen letzten Berichten. Auch habe ich noch nicht alle Bilder der letzten Tage zusammen, so dass ich die wohl noch nachreichen muss.

Die letzten Wochen beschäftigten mich zum Beispiel technische Probleme. Nicht die, die mit meiner Arbeit im Zusammenhang stehen, sondern viel mehr meine eigenen. Zum einen habe ich mein schönes Motorolla-Handy auf der Rückfahrt mit dem Jeepney von Guiuan verloren, zum anderen gab das Netzteil meines Notebooks den Geist auf. Damit war ich so gut wie von jeglicher Kommunikation abgeschnitten. Mehrmals bin ich deshalb nach Tacloban zu einem Handy-Shop gefahren, aber ich habe wohl keine Chance mehr, das Handy und besonders die Nummer zurückzubekommen. Für 16 Euro habe ich mir schließlich ein China-Handy gekauft, die wie auch DVDs mit aktuellen Kinofilmen in kleinen Geschäften verkauft werden. Für den Preis ist es vollkommen in Ordnung, dass die Batterie höchstens zwei bis drei Tage hält. Wichtig ist für mich nur, SMS schreiben zu können und zu telefonieren. Mein Netzteil hätte ein größeres Problem werden können, wenn mir nicht jemand aus meiner Organisation so super ausgeholfen hätte. Für meine Arbeit ist das Notebook natürlich wichtig, da hier zum Beispiel meine Arbeit wie die Homepage von Quinapondan gespeichert ist. Ein Apple-Store scheint nur in Manila und Cebu vorhanden zu sein und damit nicht eben schnell erreichbar. Nach Cebu werde ich erst im Dezember zum Zwischenseminar reisen und Manila würde ich bei anderer Gelegenheit lieber noch einmal besuchen. Ich habe es schließlich unkompliziert aus Manila zugeschickt bekommen, wofür unendlich dankbar bin. Trotzdem hatte ich drei Wochen nichts zu tun und verbrachte mein Arbeitsalltag mit Lesen, Filmen schauen oder Reparieren von defekten Computer.

Mein Arbeitsplatz

Die Local Government Unit (LGU) Quinapondan.

Zum Glück waren die Wochenenden ein guter „Ausgleich“. Es fanden zwei Geburtstagspartys von Volunteeren in Salcedo in einer Lodge und Maydolong statt und ich war außerdem zu einem 18. Geburtstag einer Philippinerin aus einem Nachbarbarangay eingeladen. Wie auch in Deutschland wird der 18. Geburtstag gerne größer gefeiert. Da die besagte Familie mehr Geld hat – sie studiert auch in Manila -, war die Feier sogar noch ein bisschen größer als gedacht. Das Geburtstagkind saß auf einem großen Thron auf einer Tribüne, während ein großes durchgeplantes Programm stattfand. Wir saßen an vielen kleinen nett verzierten Tischen, die auf einem normalerweise für Basketball genutzten Platz aufgestellt worden sind. Nach dem Programm gab es noch ein großes gemeinsames Essen. Das anschließende Tanzen ging noch bis vier Uhr morgens.

Von Maydolong fuhren wir an einem Wochenende auf eine Coconut Farm, die einer Familie einer befreundeten Philippinerin gehört. Das Wetter war klasse und die Kokosnüsse schmeckten hervorragend. Besonders der Saft (Buko juice) der Kokosnuss schmeckte herrlich.

Copra: Getrocknete Kokusnussschalen.

Ein Tag nach dem Geburtstag fand in Quinapondan der „64th Founding Celebration Day“ statt. Ein eigens für diesen Zweck gegründetes Komitee war schon Wochen mit der Planung beschäftigt: Spiele auswählen, Team T-Shirts kaufen, das vorgegebene Etat unter einen Hut bringen und Preisgelder bestimmen. Ich trat für die LGU gegen sechs andere Organisation und Vereine auch bei zwei Spielen an. Hitting the Pot und Baloon Relly. Leider gab es ein paar Verständigungsschwierigkeiten bei Hitting the Pot. Hitting meint nicht nur das Treffen der aufgehängten Vase, sondern das völlige Zerstören. Andernfalls hätte nämlich gewonnen. So gewann ich nur den dritten Platz. Bei Baloon Relly stellten wir uns als Mannschaft hintereinander, klemmten zwischen uns jeweils ein Ballon und mussten langsam laufend eine kleine Strecke zurücklegen. Letztendlich gewannen wir leider nur den 3. Platz. Dabei sein ist natürlich alles! :-)

Letztes Wochenende war ich außerdem mit den Volunteeren aus Borongan auf einen Friedhof eingeladen. Am All-Saints Day (1. November) feiert man auf den Philippinen mit den Verstorbenden. Die ganze Familie kommt am Grab toter Verwandter zusammen, trinkt, isst und lacht zusammen. Das war schon ein komisches Gefühl. Weil eine Volontärin plötzlich krank wurde, sind wir ein bisschen früher nach Hause gegangen.

Letztes Wochenende habe ich die Gelegenheit bekommen, mit Mitgliedern der LGU schnorcheln zu gehen, um Fisch- und Muschelbestände im Wasserschutzgebiet zu untersuchen. Jetzt will ich unbedingt hier noch einen Tauchkurs machen.

Ausgerechnet an diesem Tag war das Wetter nicht so schön.

Zwischen Mangroven haben wir in dieser Hütte Mittagspaue gemacht.


Viele Grüße von den immer noch warmen Philippinen. Auch der Regen zieht mal vorbei…

Pascal

Mabuhay. Schon wieder ist eine Woche auf den Philippinen, weit entfernt von Deutschland, vorbei. Wie auch die letzten Wochen, versuche ich wieder meine letzte Woche zu beschreiben.

Auch wenn die Regenzeit erst ab November offiziell anfangen soll, regnet es hier, so habe ich zumindest den Eindruck die letzten Tage gehabt, immer öfters, stärker und länger und machen es mir damit unmöglich auch nur einen Schritt vor die eigene Haustür zu treten. Die Wolkenbrüche sind kaum mit denen in Deutschland zu vergleichen. Zum Beispiel konnte ich in der Mitte der Woche beobachten, wie sich nach dem letzten heftigen Regenfall so das kleine Rinnsal vor meinem Haus, von welchem ich bisher sogar gar nichts wusste, zu einem ansehnlichen Fluss entwickelte. An dieser Stelle hoffe ich, dass der Fluss nicht in der Regenzeit mein Haus erreichen wird. Vorgekommen soll das aber glücklicherweise noch nicht in den letzten drei Jahren. Eigentlich wollte ich auch heute am Tage der Veröffentlichung dieses Beitrages an der Fiesta teilnehmen. Von morgens bis nachmittags gibt es in Guiuan Paraden und Darstellungen, abends soll getanzt werden. Ich kam heute früh in strömenden Regen an. So habe ich mich dazu entschlossen darauf zu verzichten und gleich in die Tanghay Lodge zu fahren, obwohl sich die Menschen trotz des strömenden Regen wirklich bemühten, die Fiesta zu einem Erfolg zu machen.

Damit ist aber auch klar, dass ich auch in der vergangenen Wochen nicht so viel unternehmen konnte. Nichtsdestotrotz traute ich mich am Dienstag aus dem Haus und war mit einigen anderen Volontären Gast bei dem 102ten Balangiga Encounter Day. Ich erreichte mit meinem guten Freund Balangiga ein bisschen zu früh und hatte so die Möglichkeit ein bisschen über den zentralen Platz und durch die kleineren Straßen zu laufen. Inzwischen bin ich zwar schon gewohnt, ständig angestarrt und mit „Hey Joe“ oder „Hey, what is your name“ angesprochen zu werden, aber trotzdem wurde das alles an diesem Tag noch mal übertroffen. Bis zu diesem Tag weiß ich nicht, wie viele Bilder nun von mir gemacht worden sind und mit wie vielen Menschen ich gemeinsam auf einem Foto posiert habe. Hunderte Menschen beobachteten ein. Zufällig traf ich dann die Volontäre von Salcedo. Mit der Hilfe von meinem Freund und unserem Gast-Status kamen wir unter die überdachte Halle, die den besten Blick auf die Bühne und das Geschehen bot. Nicht zufällig kamen zwei Volontäre aus Borongan an, die auch bei mir später übernachten haben, weil kein Bus mehr zurück fuhr. Der Beginn der Darstellung verschob sich immer wieder, da man auf Spezialguests warten musste. Wie Spezial sie aber waren, ahnte ich bis zur Ankunft nicht. Als die Ankunft von Lucy Marie Torres-Gomez und Ben P. Evardone angekündigt wurde, sprangen die Menschen auf Stühle und kreischten wie verrückt um die Wette. Sie waren, so erklärte man mir, berühmte Schauspieler bzw. Moderaten, die auch innerhalb der Politik tätig sind. Eine andere Moderatorin grüßte dann endlich die anwesenden Politiker einzeln und erwähnte in ihrer Begrüßung auch uns, welche wohl die einzigen Ausländer auf dem Fest waren. Nun schauten sie sich wie ich auch, die Darstellung der auftretenden Schauspieler an. Natürlich ging es um den Diebstahl der vor 102 Jahren geklauten Kirchglocken, die bis heute(!) von den Amerikanern nicht zurückgegeben worden sind. Die beiden populären Politiker versprachen, sich für die Rückgabe der Glocken im Kongress verstärkt einzusetzen und teilten eine schon ausgearbeitete Resolution aus. Insgesamt saß ich mit den anderen Volontären hier vier Stunden, weil mehrmals auch die anderen anwesenden Politiker vor anwesendem Fernsehteam geehrt worden sind. Ich habe den Eindruck, dass die Politik nicht so sehr von Ideen und Parteien bestimmt wird, sondern einzig von Personen.

Das große Denkmal in Balangiga

Das Denkmal in Gedenken an den Balangiga Encounter Day ist echt gewaltig. Es wird der Angriff der Philippinen auf die Amerikaner dargestellt.

Menschen warten

In Balangiga war echt etwas los und ich war mitten drin.

Auf die genannten Personen mussten wir zwei Stunden warten

Auf den Plakaten wurden die Ehrengäste gegrüßt. Der Anfang des Stückes verzögerte sich wegen der Verspätung um fast zwei Stunden.

Amerikaner

Diese Philippinen stellten die Amerikaner dar. Man machte sich hier wirklich große Mühe mit Kulissen und Verkleidungen. Die Gesichter wurden nebenbei angemerkt gepudert.

Ich hatte eigentlich einen guten Platz erwischt. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich geschützt vom Regen unter einer Unterdachung sitzen.

Auf dem Bild sind die anwesenden Ehrengäste und Politiker zu sehen. Ganz rechts auf dem Bild, lacht übrigens der Bürgermeister von Quinapondan Mister Campo.

Meine Gefühle bezüglich meiner Aufgaben sind im Moment zwiegespalten. Im Augenblick gibt es nicht viel zu tun. Ich sitze seit anderthalb an der Homepage der Gemeinde Quinapondan, habe aber keine Idee, sie zu vollenden. Manchmal kommen zwar Kollegen mit Problemen an ihrem PC auf mich zu, diese sind jedoch nicht sehr herausfordernd. Mal klemmte die Enter-Taste und erzeugte versehendlich viele leere Seiten in Word und mal leistete ich Aufklärungsarbeit, dass über die Maus kein Computervirus übertragen werden kann. Am Server kann ich zudem auch nicht weiterarbeiten, da das Netzteil kaputt ist und ein neues erst noch angeschafft werden muss. Die Einrichtung verschiedener Serverfunktionen muss also ebenso warten.

Auf der anderen Seite bin ich auch wiederum motiviert. Man merkt, dass es hier langsam aber sicher vorangeht. Ich war am Montag für die Dokumentation des Vortrages „Water Supply“ zuständig. Demnächst sollen hier nämlich die ersten Häuser die Möglichkeit bekommen, sich gegen eine Gebühr an das neu eingerichtetes Wassernetzwerk anschließen zu lassen, das sich aus einer nahegelegenen Quelle speist. Damit müsste man auf Regenwasser nur noch in den nötigsten Fällen zurückgreifen. Von meinen Kollegen wurde nun schon mehrmals zugetragen, wie sehr sie sich eine Internetverbindung für die Gemeinde wünschen: sei es wegen digitalem Datenaustausch zwischen den einzelnen Gemeinden und Behörden oder wegen der zukünftigen Administration der Homepage. Das ist verständlich. Mit einer Internetleitung würden auch weitere Arbeiten wie die allgemeine Einrichtung, Bereitstellung innerhalb des ganzen Netzwerkes und eventuell der Aufbau eines Internetcafes, um die laufenden Kosten wieder einzuspielen, für mich entstehen. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich mich also damit beschäftigen eine Satellitenverbindung in Quinapondan aufzubauen und einzurichten. Dazu werde ich auch nächste Woche nach Maydulong fahren, wo bis Ende der Woche noch ein Volontär der letzten Gruppe wohnt. Ich hoffe, von ihm noch weitere Informationen und Hilfestellungen bezüglich der Verbindung zu bekommen, bevor er die Philippinen endgültig verlässt.

Viele Grüße von den momentan verregneten Philippinen

Pascal

Beinahe wäre ich heute nicht dazugekommen, einen neuen Beitrag auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ich habe geschlagene zwei Stunden auf einen Van nach Guiuan gewartet. Lange Zeit kam überhaupt keiner, sie waren schon zum Bersten überfüllt oder sie hatten aus einem mir unersichtlichen Grund, keine Lust anzuhalten. Ich war zum ersten Mal schon beinahe richtig wütend, was ich natürlich nicht gezeigt habe, um nicht „mein Gesicht zu verlieren und entschied mich deshalb, mich erst einmal eine halbe Stunde in meinem Haus zu beruhigen. Danach hatte ich mehr Glück. Mit einer Freundin bin ich dann endlich nach drei Stunden Wartezeit aus Quinapondan in Richtung Guiuan weggekommen. Das Problem ist wohl einfach, dass es keine allgemeinen Fahrpläne gibt, an dem man sich halten und orientieren kann. Außerdem reduziert natürlich jede Stunde Warten, meine Zeit im Internet zu surfen und den Kontakt nach Deutschland zu halten.

Das Wochenende, an dem ich den letzten Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht habe, bietet auch noch diese Woche für einen Beitrag genug Gesprächsstoff.

Am Sonntag kam wie immer spontan ein guter Freund bei mir zu Hause vorbei. Zusammen fuhren wir in der näheren Umgebung von Quinapondan umher und waren bis abends unterwegs. Als erstes ging es zum Strand in einem zu Quinapondan gehörenden Barangay. Leider war es kein Sandstrand, wie wir es von Spanien oder Frankereich kennen – diese gibt es nur selten in Eastern Samar -, aber das sich einstellende Gefühl war überwältigend. All das kann ich jeden Tag haben, direkt vor meiner Haustür: Palmen, gemütliche aus Palmen gefertigte Hütten und das unglaublich 28 Grad warme Meerwasser. Wir saßen hier also ein bisschen, genossen die sanfte Meeresbriese, die eine schöne Abkühlung von der Mittagshitze war, und blickten auf das ruhige Meer und von Palmen bewucherte Berge am Horizont.
Verfallene Hütte



Danach ging es weiter zu einer Freundin zum Mittagsessen. Wir wurden sowohl von der Familie als auch von zahlreichen freilaufenden Hühnern, die generell hier von den meisten Familien auf dem Grundstück gehalten werden, freundlich begrüßt. Leider lief die Konversation zum großen Teil auf Waray ab, wobei ich nun aber schon mit ein paar Brocken Waray kontern konnte. Das Essen war dann sehr lecker und wir wechselten wieder ins Englische. Es gab Reis, Fisch und in Kokosnusssaft eingelegte Kasawas – sie heißen tatsächlich Kasawas und nicht Asawas(!). Wir fuhren nach dem leckeren Mittagsessen weiter zu meinem Counterpart. Dieser besitzt eine richtige Fischfarm in der Nähe seines Hauses. In mehreren größeren und kleineren mit Wasser gefüllten Löchern schwimmen verschieden große Fische herum, die später auf den Märkten im Umland verkauft werden. Zusätzlich sind auch noch Hähne zwischen den Löchern festgebunden. Der Anblick war wirklich genial.
Fischfarm

Von da aus ging es weiter zu den Hahnenkämpfen, die Sonntags und Freitags stattfinden. Hahnenkämpfe in den Philippinen haben, so meine ich, den gleichen Stellenwert wie Stierkämpfe in Spanien. In einem extra für diesen Zweck gebauten „Stadion“ treten sie jeweils mit einer an den Fuß befestigten Klinge eins gegen eins gegeneinander an, bis einer der Hähne tot ist. Meistens ist der siegende Hahn aber genauso schwer verletzt, so dass auch dieser in der Suppe landet. Bevor es jedoch zum eigentlichen Kampf kommt, werden auf die einzelne Hähnen Wetten abgeschlossen. Trotz des unglaublich lauten Wettgeschreis behalten die Verantwortlichen den Überblick. Vor dieser Gedankenleistung habe ich schon ein wenig Respekt.
Hahnenkampf
Ich habe für mich im Nachhinein trotzdem entschieden, keinem weiteren Hahnenkampf mehr zu beizuwohnen. Für mich war es aber dennoch wichtig, auch diesen Teil der philippinischen Kultur kennenzulernen. Als es dann langsam dann Abend wurde, fuhren wir dann wieder nach Hause, wo ich mich dann mal wieder im Kochen versucht habe. Demnächst planen wir außerdem, richtige Wasserfälle in der Umgebung zu besuchen. Darauf freue ich mich schon riesig!

Mittwochs endet regelmäßig die Arbeit schon um 15.00 Uhr. Das bedeutet aber nicht, dass man einfach alleine nach Hause geht. Man macht stattdessen gemeinsam mit den Arbeitskollegen und anderen Interessierten wie dem Pastor, mit dem ich letzte Woche gespielt habe, vor dem Rathaus auf dem Tennis- und Basketballplatz Sport. Ich entschied mich schon zum zweiten Mal wieder für das Tennisspielen. Ich muss jedoch an dieser Stelle zugeben, dass es mir bis jetzt noch nicht sehr viel Spaß macht. Leider werden Betonflächen als Tennisplatz benutzt und sorgen damit für ein ganz anderes Ballgefühl. Deshalb wird es wohl noch einige Zeit brauchen, bis ich mich an diese Bedingungen gewöhnt habe. Was mir jedoch im Gegensatz zu Deutschland hier gefällt, ist das Bereitstellen von Balljungen und einem Schiedsrichter für jedes Spiel. Der Schiedsrichter zählt zwar komisch. Ein Satz endet so zum Beispiel nach acht Spielen und bei den Spielfeldlinien ist man sich auch nicht immer sicher, ob der Schiedsrichter ihn als Aus oder Punkt wertet, wenn der Ball unerreichbar für den Gegenspieler auf der Linie landet. Trotzdem will ich mich nicht darüber beklagen. Um meine Sicht der Dinge zu erklären, habe ich ja noch genug Zeit.

Nächste Woche, wie ich in einem Gespräch durch einen nebenbei erwähnten Halbsatz herausfand, wird wohl der Dienstag arbeitsfrei sein. Ich werde deshalb mit ein paar Freunden nach Balangiga, einem von Quinapondan ca. 30 Minuten benachbarten Ort fahren, um an den dortigen Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Philippinen feiern jedes Jahr an diesem Tag den Kampf gegen die damalige Kolonialmacht Amerika. Man konnte an diesem Tag im Jahre ??? die Besatzungsmacht besiegen. Nur ein Amerikaner überlebte damals. Die Amerikaner schlugen daraufhin mit ungeheuerer Kraft zurück. Auch wenn es mir widerstrebt, verweise ich für weitere Informationen auf Wikipedia.

Während der Woche und meines Arbeitsalltags fiel mir noch glatt etwas ein. Einen ganzen Monat lebe ich ab morgen nun tatsächlich schon auf den Philippinen, seitdem ich am 25. August vom Frankfurter Flughafen in Richtung Manila abgehoben bin. In dieser Zeit durfte ich schon so Einiges erleben und hoffe, dass sich dies auch weiter fortsetzt und ich auch noch in den verbleibenden elf Monaten tolle Erfahrungen machen darf. Wenn man jedoch seine vertraute Umgebung für solch ein kleines Abenteuer verlässt, bleibt zwangsweise ebenso auch einiges in Deutschland zurück. Was vermisse ich also hier in meiner auf ein Jahr terminierten Heimatgemeinde Quinapondan? Es folgt eine kleine Liste, die weder geordnet ist noch Anspruch auf Vollständigkeit erheben soll:

  • Familie
  • Freunde
  • Laugenbrötchen, Baguette und Vollkornbrot
    Natürlich gibt es in meiner derzeitigen Heimatgemeinde Bäckereien, auch wenn sie ein ungleich kleineres Sortiment bieten. Leider haben sie aber nur die gleichen Dinge im Angebot: Verschiedene aus Weißmehl hergestellte und mit Zucker gesüßte Brötchen oder hellen Toast.
  • Selbstgemachte Lasagne
    Mein Haus hat leider keinen Backofen, sondern ist („nur“) mit Toaster, Gasherd, Reiskocher und Waschbecken ausgestattet.
  • Schnellen Zugang zum Internet, ohne mindestens eine Stunde fahren zu müssen und eventuell Wartezeiten in Kauf zu nehmen.
  • Latein.
    Ja, mir hat der Lateinunterricht in der Schule wirklich Spaß gemacht!
  • Ausschlafen am Wochenende
  • Kälte
  • Tennisspielen auf einem Sandplatz
  • Unerkannt durch die Straßen gehen
    Es ist jedoch andersrum sehr witzig, wenn immer die gleichen kleinen Kinder nach der Schule an meinem Büro im dritten Stockwerk vorbei kommen. Schüchtern betrachten sie mich dann von der Treppe oder mit einem Auge von der Tür aus und beginnen zu kichern, wenn ich sie dann freundlich grüße, und rennen weg.

Die Woche endete auch sehr schön. Jeden letzten Freitag des Monats wird eine große gemeinsame Feier für alle Geburtskinder des Monats organisiert. Es werden einige Reden (natürlich auf Waray) gehalten, man singt zusammen und isst schließlich das von den Geburtskindern bereitgestellte Essen. Danach ist Tanzen angesagt. Das war auch der Grund, warum ich den Genuss kam, meine ersten Cha Cha und Aminodo Tanzschritte zu lernen. Meine Vorgänger sollen diese hervorragend beherrscht haben. Bilder werden dazu nächste Woche folgen.

Pascal an einer Palme

Lasst es euch im fernen Deutschland gut gehen

Pascal

Im Osten nichts Neues

Endlich. Ich habe wieder Internet und kann euch etwas über meine letzte Woche erzählen. Leider hat sich bezüglich meiner Internetverbindung von Quinapondan nichts Neues ergeben, so dass immer noch gezwungen bin, eine kleine Reise anzutreten, um wenigstens meine E-Mails absenden zu können. Der Vorteil ist aber, dass ich dann diese direkt am Wasser und mit einer kühlen Cola lesen kann. ;-)

Schon wieder ist eine also Woche rum, wobei ich mir hier, wenn ich es mir ein bisschen genauer überlege, nicht so sicher bin, ob hier „schon“ der passende Ausdruck ist. Die Woche war sehr eintönig und verlief sehr langsam, wenn man von den für mich bisher ungewohnten Stromausfällen einmal absieht. Man kann meinen, dass sich sogar ein gewisser Alltag bei mir eingestellt hat.

Um 7:00 Uhr heißt es für mich Aufstehen, Frühstücken und für die Arbeit fertig machen. 7:55 Uhr geht es mit dem Tricycle von San Vincente nach Quinapondan. Die Fahrt kostet standardmäßig 5 Peso, was umgerechnet nur ungefähr 10 Cent entspricht. Nach knapp 10 Minuten vorbei an weiten Reisfeldern mit von Palmen bedeckten Bergen im Hintergrund, kleineren Häusern, Kirchen und mich anstarrende Menschen, die ich immer fröhlich grüße, ist die Fahrt auch schon wieder zu Ende.

Blick in das zu Quinapondan gehörende Barangay San Vincente. Meine Heimatgemeinde!

Das ist also mein täglicher Arbeitsweg. Der Blick ist auf San Vincente gerichtet.

Der Fahrer setzt mich direkt vor dem Rathaus ab. Ich betrete das Gebäude, wo ich immer nett von allen Seiten begrüßt werde. Meistens setze ich mich erst einmal zu den anderen Angestellten, die wohl genauso wie ich den Arbeitsalltag noch ein bisschen hinauszögern wollen, bevor es ans Arbeiten geht. Besonders beliebt ist es, mir hier die verrücktesten Waray-Wörter beizubringen oder mich nach meinem Haus und den ehemaligen Freiwilligen in Quinapondan auszufragen. Geht dann doch der Gesprächsstoff aus, mache ich mich schließlich in das dritte Stockwerk des Rathauses auf, in dem mein eigenes Office liegt. Mir stehen in diesem Raum die von meinen beiden Vorgängern eingerichtete Netzwerkverbindung zu den anderen Computern und zwei Schreibtische zur Verfügung. Auf dem einen Schreibtisch breite ich täglich mein Equipment wie Notebook, Handy und Notizzettel aus, auf dem anderen habe ich durch die große Ablagefläche die Möglichkeit eventuell beschädigte Computer zu reparieren oder auf Arbeit zu warten, was in den letzt beiden Wochen jedoch noch nicht der Fall war. Eigentlich würde ich hier insgesamt viel mehr bewegen wollen. Dazu brauche ich aber ab und zu eine Internetverbindung, die ich nicht habe. Jedes Mal für ein paar Stunden Internet anderthalb Stunden zu fahren, ist einfach anstrengend. Was mir also nur übrigbleibt, ist Probleme und benötigte Programme zu sammeln und dann nach Guiuan, dort bietet ein kleines Hotel zügiges Internet an, zu fahren. Umso ärgerlicher ist es dann natürlich, wenn man etwas vergisst oder nicht schafft, weil es schon wieder dunkel wird. Meine Mittagspause beginnt dann um 12.00 Uhr und endet um 13.00 Uhr. Während meiner Pause gehe ich mit meinen Arbeitskollegen oder, falls ein Freund von mir im Büro vorbeischaut, mit diesem zum Essen. Bis jetzt habe ich zwei kleinere Restaurants in Quinapondan entdeckt. Man geht in diese hinein und setzt sich auf einen freien Plastikstuhl oder eine längere Bank. Nach kurzer Zeit wird dem Gast ein Teller Reis und Wasser hingestellt. Danach sucht man sich in einer kleinen Glasvitrine, die auch von außen einsehbar ist, seine Beilage aus. Dabei scheint es immer das Gleiche zu sein: Fisch, Huhn (Adobo – wenn ich es mir richtig gemerkt habe), Bohnen und anderes Fleisch mit einer großen Fettschicht. Der Preis für das Essen geht dabei absolut in Ordnung. Ich habe noch nie mehr als einen Euro bezahlt. Auch Fastfood hat hier schon Einzug gehalten. Neben den beiden Restaurants steht in der Nähe des Plazas ein kleiner Wagen, aus dem Burger und Hotdogs heraus verkauft werden. Sie schmecken eigentlich fast genauso wie bei McDonalds. Die restliche halbe Stunde nach dem Mittagsessen benutze ich meistens für Einkäufe auf dem kleinen Mark oder in den nahe gelegenen Geschäften. Es kann aber auch passieren, dass, wenn ich ein wenig früher zur Arbeit zurück gehe und ich im Rathaus mit Duba begrüßt werde. Duba ist, so erklärte man mir in einer spaßigen Runde, ein typisch philippinischer Rotwein, der mit Cola gesüßt werden kann. Von 13.00 bis 17.00 widme ich mich dann wieder meiner Arbeit, wenn sie denn vorhanden ist.

Am Freitag bin ich auch schon wieder aus diesem Alltag ausgebrochen und nach Tacloban gefahren. Die schnellste Möglichkeit ist dabei der Van. Die kleinen weiße Vans, die nach einem nicht durchschaubaren Zeitplan die Strecke Guiuan – Tacloban anbieten, sind erheblich schneller als die großen überfüllten Busse. Das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass diese selbst auch nicht überfüllt wären. Regulär sind wohl zehn Plätze vorgesehen. Ich saß jedoch schon einmal in einem Van, in dem schon fünfzehn Personen einen Sitzplatz gefunden haben. Nach gut zwei Stunden kam ich in Tacloban an. Sofort wurde ich wieder an Manila erinnert. Es war stickig, der Verkehr sah chaotisch aus, funktionierte aber, und es war laut. Hier sind einige Bilder, die aber gar nicht ausreichen, um die auf mich einfallenden Eindrücke zu beschreiben.

Rechts kann man teilweise Jollibee sehen. Die philippinische Variante von McDonalds

Hinter den Jeepneys beginnt der große Markt von Tacloban. Leider habe ich es diese Woche nicht geschafft, wenigstens mal durchzugehen

Ich lief erst einmal wahllos durch die Straßen, um mir einen Überblick über diesen Stadtteil zu verschaffen. Für einen Freund holte ich als erstes sein repariertes Handy ab. Ich wurde in drei verschiedene Shops, die aber wohl zusammenarbeiten oder gehören, geschickt, bis ich endlich im richtigen war und nach einer Wartezeit von einer halben Stunde dann dieses stolz überreicht bekam. Von dort aus ging ich Sachen einkaufen, die ich nicht in meiner Heimatgemeinde bekomme. Dazu gehören zum Beispiel viele Gewürze (ausgenommen natürlich Pfeffer und Salz) und Früchte. Neben Bananen konnte ich zu Hause noch nichts anderes entdecken. Hier fand ich dafür umso mehr Früchte mit exotischen Namen. Optimalerweise entdeckte ich dann passend zur Mittagszeit einen McDonalds. Ich weiß zwar nicht mehr, wie die Preise in Deutschland bei der Fastfoodkette sind, aber hier hat ein Cheeseburger, Cola und eine mittlere Portion Pommes nur ein bisschen mehr als einen Euro gekostet. Da musste ich natürlich “zuschlagen”!. Während ich also mein Essen genoss, konnte ich der dahindudelnden Weihnachtsmusik lauschen. Auf den Philippinen hat nämlich vor zwei Wochen schon die Weihnachtszeit begonnen. Mit einem Tricycle ging es danach zur BPI, bei der ich von meiner Organisation ein Bankkonto eingerichtet bekommen habe. Hier sollte ich außerdem noch einige andere Volontäre treffen, die im Gegensatz zu mir das ganze Wochenende in Tacloban blieben. Nach einem erneuten Abstecher zu McDonalds – ich habe nichts gegessen (!) – ging es in die Robinson Mall. Um diese Mall beneide ich schon ein wenig die Volontäre hier: Restaurants, Geschäfte und vor allem das Internet. Leider konnte ich davon nicht viel sehen und genießen, da ich um 16:00 Uhr schon wieder an meine Heimreise denken musste. Der letzte Van fuhr schließlich um 17.00 Uhr einschließlich mir vom VanVan-Terminal in Richtung Guiuan los. Auf der Fahrt saß ich neben einem sehr netten Mann, der außerordentlich gut Englisch sprechen konnte und mir einige Waray-Wörter beibrachte. Ihr seht also, ich versuche Waray zu lernen oder ich bemühe mich zu mindestens.

Das soll es also gewesen sein. Meine Cola ist leer.

Grüße von den Philippinen

Pascal

Nach einer Woche durchgehender Funkstille meinerseits vom weit entfernten Quinapondan aus, möchte ich mich nun endlich mal wieder zu Wort melden und ein Lebenszeichen abgeben.

Strecke nach Guiuan

Am letzten Sonntag wurde ich schon vor Beginn meiner „offiziellen“ Zeit in die 10 000 Menschen umfassende Gemeinde eingeladen, um am im Rahmen der örtlichen Fiesta stattfindenden Tennisturnier teilzunehmen. Es hat sich wohl sehr schnell herumgesprochen, dass ich sehr gerne in meiner Freizeit Tennis spiele, denn kurz nach meiner Ankunft mit meinem Mentor, kamen schon gleich die Ersten auf mich zu und forderten mich heraus. Ich musste jedoch im vorhinein schon meine Teilnahme absagen, da ich alleine Schweißausbrüche beim bloßen Stehen bekam und mein Tennisschläger noch gar nicht auf den Philippinen angekommen ist. Die Hitze ist für mich immer noch gewöhnungsbedürftig und mein Körper braucht wohl noch einige Zeit, bis er sich an die hiesigen Umstände gewöhnt hat. Der Bürgermeister begrüßte mich herzlich und lud mich unter ein aufgebautes Zelt zum Zuschauen ein. Neben spannenden Tennismatches gab es zudem auch Basketballspiele zu bestaunen, die sogar noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen und von einem Kommentator begleitet wurden. Euphorisch feierte man hier wirklich jeden geworfenen Korb. Interessant finde ich vor allem den Aufbau des Stadtzentrums, in dem ich mich gerade befand. Der Tennis- und Basketballplatz wird sowohl von einer größeren Tribüne als auch dem Rathaus, dessen Eingang direkt an die Plätze angeschlossen ist, flankiert. An einer der anderen Seiten mit Ausblick auf die schöne blaue Kirche saß ich nun mit kühlen Getränken ausgestattet und konnte erste nette Gespräche mit den Einwohnern führen, die zum Teil auch extra von weiter her angereist sind, um die Fiesta mitzuerleben. Pünktlich um 12.00 Uhr lud der Bürgermeister mich und die anderen Tennisspieler zum Mittagsessen auf sein Grundstück ein. Hier erwartete mich ein großes Angebot an Speisen, deren Namen ich leider zum größten Teil schon wieder vergessen habe. Einzig in Erinnerung blieb mir „Asawa“, ein Gemüse, das mich ein klein bisschen im Geschmack an Kartoffeln erinnert hat, obwohl es im Aussehen eher einer Steckrübe gleicht. Trotzdem blieb natürlich als Hauptbestandteil Reis, der praktischerweise um das Grundstück herum angebaut wird. Nach dem Essen ging es wieder zurück zu den Tennisplätzen.

Blick auf ein Tennismatch. im Hintergrund kann man die blaue Kirche sehen.

Ich unterhielt mich mit einem Mädchen, dem ich erzählte, wie neu es für mich sei, ständig unter Beobachtung zu stehen bzw. angestarrt zu werden. Das ist natürlich auch nicht verwunderlich, wenn man der einzige Ausländer in der Gemeinde ist. Sie antwortete mir darauf, dass sie alle neugierig seien, ja sogar ein bisschen Angst hätten, weil ich so groß sei. Tatsächlich stimmt es, dass wirklich viele Menschen kleiner sind als ich, aber es gibt natürlich auch Leute, die mich überragen oder gleich groß sind. Sie lud mich schließlich ein, doch mal ihre Gemeinde Tacloban zu besuchen, die von hier mit dem Bus wohl ca. zwei Stunden entfernt ist. Am Abend, bevor es schließlich schon um sechs Uhr dunkel wird, trat ich die Rückreise nach Guiuan an, wo ich mit dem Rest meiner Gruppe noch eine Nacht verbringen sollte. Mich begleitete ein netter Filipino zu einer Bushaltestelle und wartete mit mir auf den nächsten Bus, der stündlich die Strecke Tacloban – Guiuan bedient. Im Gegensatz zu einem Jeepney passen hier noch erheblich mehr Menschen hinein. Der Bus war so überfüllt, dass einige Menschen teilweise sogar auf das Dach ausgewichen waren. Ich musste direkt an der offenen Tür stehen. Das eigentliche Problem war aber, dass der Motor immer mal wieder ausfiel und man darauf hin den Bus ein bisschen anschieben musste. Nach anderthalb Stunden und einer weiteren Tricylcefahrt später kam ich schließlich in der Lodge an, wo ich mit den anderen Volunteers den Abend gemütlich ausklingen ließ.

Am Montag ging schließlich die endgültige Fahrt in Richtung Quinapondan los. Mit zwei weiteren Volunteers brachte mich mein Mentor zunächst nach Hernani, wo die beiden anderen Volunteers ihre zukünftige Stelle haben werden. Neben dem sehr freundlichen Bürgermeister lernte ich auch ein erfolgreiches Projekt der Vorgänger des letzten Jahres zur Aufforstung kennen. Man zog verschiedene Setzlinge groß und pflanzte sie schließlich in zugewiesene Areale. Danach ging die Fahrt weiter nach Quinapondan zu meinem Zukünftigen Haus, wo mich sehr nette Nachbarn und mein Counterpart erwarteten. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass das Haus eigentlich phantastisch ist. Es bietet viel Platz, hat Küche, Bad, Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer. Besonders gefreut hat mich, dass mein Vorgänger einige deutsche Bücher hier ließ, da ich wegen des für das Flugzeug erlaubten Gepäckgewichtes auf eigene Bücher verzichten musste.

Wie ihr sehen könnt, hat besonders der erste Volunteer hier in Quinapondan ganze Arbeit geleistet und das Haus schön gestaltet. Zwei Nachbarn blieben, nachdem mein Counterpart und mein Mentor das Haus verließen, führten mich im Haus herum und bauten zusammen die Sachen wieder auf, die herum lagen. Wir redeten viel und ich kam in den Genuss, zum ersten Mal Reis in einem Reiskocher zu kochen. Nachdem dann das Moskitonetz aufgebaut war, ging ich relativ zügig schlafen, da zudem am Dienstag mein erster Arbeitstag auf mich wartete.

Meine zukünftige Arbeitszeit ist von 8.00 bis 17.00 Uhr, wobei ich mittags eine Stunden Pause habe. So machte ich mich von San Vincente, ein kleines Barangay, das zu Quinapondan gehört und in dem mein Haus steht auf und ließ mich mit dem Tricycle zum Rathaus fahren. Mein Counterpart zeigte mir mein eigenes Büro und erklärte mir kurz, was meine Aufgabe das nächste Jahr sein wird. Ich bin für das Netzwerk zuständig, soll einen Server für verschiedene Aufgaben einrichten und die Website der Gemeinde gestalten. Ich bin gespannt, wie lange die Aufgabe mich beschäftigen wird. Danach kann ich mir weitere Betätigungen innerhalb des Projektes in Absprache mit dem Counterpart suchen. Diese selbstständige Arbeit gefällt mir bis jetzt. Bevor ich mich jedoch voller Tatendrang in die Arbeit stürzen kann, versuche ich die nächsten Tage zu verstehen, was meine Vorgänger gemacht und geschaffen haben. Es ist schon schwierig konzentriert zu arbeiten. Das liegt zum einem an der Hitze (deshalb ließ ich einen Ventilator auf voller Stärke laufen, was ich im Verlauf der Woche noch bereute) und zum anderen den Vorbereitungen und dem stattfindenden Programm der Fiesta. Auch kommen immer mal wieder Kinder ganz schüchtern zu mir ins Büro. Es macht mir dann sehr viel Spaß, ihnen etwas über Deutschland zu erzählen und ihnen im Gegenzug zu Wörtern auf Waray Wörter auf Deutsch beizubringen. Wir waren schließlich sogar schon so weit, gemeinsam begleitet durch ein Xylophon „Alle meine Entchen“ zu singen.

Am Mittwoch kündigte sich langsam eine Erkältung bei mir an. Viel Produktives konnte ich nicht mehr arbeiten. Stattdessen beobachtete ich wie die anderen Mitarbeiter des Rathauses die laufenden Basketballspiele in bester Position. Am Abend stand schließlich ein Tanzwettbewerb auf dem Programm. Mit zwei Mädchen aus der Gemeinde machte ich mich abends deshalb auf den Weg dorthin. Ich versuchte mich sogar mal selbst im Tricyclefahren, musste aber schnell feststellen, dass ich darin nicht sehr gut bin, da ich wegen eines Rechtsdralles des befestigten Fahrrades mehrmals beinahe in den Straßengraben gefahren wäre. Beim Tanzwettbewerb traten Gruppen aus verschiedenen Gemeinden aus dem Umkreis auf. Im Hiphopstil brachten sie teils sehr abenteuerliche Choreographien zum Besten, während gefühlt ganz Quinapondan zuschaute und applaudierte. Straßenverkäufer boten Popcorn und Bukojuice, den Saft der Kokosnuss, an. Was mich erschrak, war die Polizei, die die Aufgabe von Ordnern übernahmen und so offen mit schweren Waffen patrouillierten. Trotzdem ist hier die Präsenz erheblich geringer als in Manila, was aber nicht für mein Gefühl bedeutet, dass man sich weniger sicher fühlen muss. Da wir drei doch sehr müde waren, machten wir uns irgendwann nach Mitternacht auf nach Hause, ohne den Sieger zu wissen, da durch das Turniersystem mit Vorrunde der Wettbewerb lange dauerte.

Am nächsten Morgen wachte ich krank auf. Ich hatte mir eine Erkältung eingefangen und machte mir schon Sorgen, dass ich während meiner ersten Arbeitswoche gleich einen Krankheitstag habe. Glücklichweise stellte sich im späteren Verlauf der Woche noch heraus, dass sowohl Donnerstag als auch Freitag wegen der stattfindenden Fiesta Feiertage sind und die Arbeit deswegen in ganz Quinapondan ruhte. Ich ruhte mich also aus, räumte auf, machte ein bisschen das Haus sauber und las Bücher. Total nett fand ich es, dass im Laufe des Vormittags noch Freunde zu mir kamen und nach meiner Gesundheit fragten und mich ein bisschen aufmunterten.

Der Freitag sollte einer der Höhepunkt der Fiesta sein, da am Abend auf dem Plaza vor dem Rathaus ein großes Tanzfest stattfinden sollte. Auch der Mittag war fest verplant. Ich traf mich mit einer Nachbarin bei ihrer Freundin, wo wir gemeinsam leckere philippinische Gerichte aßen, uns über verschiedene Themen unterhielten und ich natürlich neue Freunde kennen lernte. War man fertig, ging man zum nächsten Haus und begann von vorne. Das machten wir dann insgesamt fünf Mal. Danach konnten wir nichts mehr essen. Die Familien standen für diesen Tag extra die ganze letzte Nacht in der Küche, um allen vorbeikommenden Gästen etwas bieten zu können. Ich war sehr überrascht, über diese überaus großartige Gastfreundschaft und konnte mich gar nicht genug bedanken. Um 17.00 Uhr war dann plötzlich der Strom weg. Routiniert griff die Gastgeberin zur Taschenlampe und erklärte mir, so wie ich es verstanden habe, dass dies wohl häufiger am Wochenende passieren kann. Der Strom war dann schließlich bis Samstagnachmittag weg. Damit fiel auch das Tanzen am Abend aus, welches durch den immer wieder aufkommenden Regen wahrscheinlich zusätzlich behindert worden wäre. Im Kerzenlicht verbrachten ich und ein sehr hilfsbereiter Nachbar, der mir nicht nur mit den Kerzen ausgeholfen hat, den restlichen Abend bei mir zu Hause mit einem Film.

Den Samstag verbrachte ich mit Einkäufen auf dem örtlichen kleinen Markt und dem Durchgehen durch die anderen kleinen Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken. Die Kommunikation läuft sehr unterschiedlich ab. Mir ist aufgefallen, dass vor allem mit den jüngeren Menschen man sich einigermaßen gut auf Englisch unterhalten bzw. sich verständlich machen kann. Mit älteren Menschen wird es für mich schon schwieriger, aber hier hilft auch schon oft, sich Zeichen zu geben. Trotzdem wird es ab jetzt oberste Priorität haben, Waray zügig zu lernen. Gerade während wir bei der Fiesta zusammensaßen, wurde oft verständlicherweise ins Waray gewechselt, da es für sie es ja auch Anstrengung braucht, ständig auf Englisch zu denken. In San Vincente zum Beispiel spricht zudem, wie ich es bis jetzt erlebt habe, der Großteil nur Waray, so dass mir ihre Gedanken und Ideen ohne ihre Sprache komplett verschlossen bleiben würden, wenn ich nicht die Sprache kann. Ich möchte mitreden können!

Heute bin ich nun mit meinem so hilfsbereiten Nachbarn und Freund nach Guiuan gefahren, um diesen Post endlich zu veröffentlichen und weitere wichtige Dinge im Internet zu erledigen. Leider bekomme ich das wohl nur sehr langsame Internet über ein USB-Modem in Quinapondan auf meinem Laptop bisher nicht zum Laufen, so dass ich bis jetzt komplett vom Internet abgeschnitten war und wohl noch eine Weile bin. Seid mir also nicht böse, wenn ich E-Mails nicht gleich beantworten kann.

Ich bin gespannt, was die weiteren Tage so bringen werden.

Herzliche Grüße von den Philippinen
Pascal

So kann ich jeden Tag gemütlich ausklingen lassen

Einige Eindrücke

Da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als tausend Wörter, hier mal einige Bilder.

Kleine Pause, während der Fahrt zu unser Lodge nach Guiuan. Natürlich hatte ich meine dicksten Sachen an, um nicht Übergewicht zu haben. Letztendlich hat es doch nichts gebracht, da ich vier Kilo zu viel hatte und dafür bezahlen (ungefähr 300PHP) musste. Ironischerweise musste ich für das Übergewicht, was ich in Frankfurt zu viel hatte, nichts bezahlen.

Blick von der Lodge auf die anliegende Straße. Einfache Hütten wechseln sich auf dieser Straße mit Steinbauten ab.

Ein Blick vom fahrenden Auto auf die Straße. Ist das nicht schön?

Heute war ich in der Stadt unterwegs und habe den örtlichen Markt erkundet. Es ist wahr, wenn ich sage, dass man dort wirklich alles (Rinderköpfe, bunte Fische, Zahnbürsten, Klamotten, Soundanlagen, Shampoo und Kontaktlinsenflüssigkeit) bekommen kann, was man braucht, und mir noch einmal die Möglichkeit bot, mich mit den nötigsten Dingen einzudecken. Die Menschen dort sind so hilfsbereit und sehr neugierig. Ich bin immer wieder angesprochen worden, wie ich heiße, woher ich komme und was ich mache. Schüchtern angeblickt wird man sowieso. Unsere Ankunft hat sich zudem sehr schnell rumgesprochen. Auf der Rückfahrt von der Lodge, war ich wirklich überrascht, als man mir sagte, man wisse schon, wohin sie mich fahren müssen.

Mein Mentor berichtete heute Nachmittag überraschend, dass ich Quinapondan schon morgen besuchen könnte, um an einem Tennismatch teilzunehmen. Wegen der Hitze, an die mich noch immer nicht gewöhnt habe, habe ich das Tennisspiel auf einen anderen Termin verlegt. Nichtsdestotrotz werde ich in bei meinen neuen Heimatort vorbeischauen! Ich bin gespannt, was mich erwartet!

Erholung in Guiuan

Ich bin gut in Guiuan, meinem Aufenthaltsort für das folgende Wochenende, angekommen. Nach einem einstündigen Flug von Manila nach Tacloban, war ich nicht nur von der unglaublichen Hitze überwältigt, sondern auch von der atemberaubenden Natur. Palmen und klarstes Wasser liegen direkt an der Straße und werden nur von kleineren Städten und Dörfern unterbrochen. Genauso erdrückend ist aber auch die Situation der Menschen, die hier zum großen Teil in sehr einfachen Verhältnissen leben, zum Teil direkt an der Straße: Wäsche aufhängen, Reis und Kokosnusschalen trocken und Zwischenmenschliches. Durch den schlechten Zustand der Straße wurde die Fahrt für mich vor allem zu einer Gedultsprobe: Mit bis zu 80 km/h knapp an Kindern, freilaufenden Häusern und übergroßen Schlaglöchern vorbei.

Mittags kamen wir dann in Guiuan an. Die Lodge ist sehr schön und liegt mit einer weiten Terrasse direkt am Wasser. Nichtsdestotrotz ist der Kontrast schon fast erdrückend für mich. Auf der einen Seite kann ich hier am Notebook auf das Meer sehen, auf der anderen Seite stehen die sehr einfachen, zum Teil runtergekommen Häuser der Bewohner von Guiuan. Wenn man durch die Straßen läuft ist man immer wieder überrascht, mit welcher Freundlichkeit die Einwohner auf einen zukommen. Man wird angesprochen, wie man heißt, was man hier macht und wohin man will. Und immer immer kann man sich einem Lächeln sicher sein.

Letztendlich bin ich doch sehr geschlaucht von der Reise und werde ein bisschen früher schlafen gehen. Deshalb mache ich hier mal Schluss. Bis demnächst.

(Die Bilder werden morgen nachgeliefert.)

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